Arbeitskreis 3: Impulse aus Politik und Verwaltung
Technologien als Motor des gesellschaftlichen Wandels
Die neuen Technologien der Informationsgesellschaft tragen im bislang nicht gekannten Ausmaß zum schnellen Wandel unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems bei. Ohne entsprechende Informations- und Kommunikationstechnologien wären Entwicklungen wie
- Internationalisierung und Globalisierung des Wirtschaftssystems,
- Auslagerung von Standorten der Rohstoffgewinnung und Güterproduktionen,
- Nutzung von Niedriglohn-Standorten,
- Internationalisierung der Kapital- und Finanzmärkte
- und eine damit in direktem Zusammenhang stehende globale Mobilität ohne absehbare Grenzen
nicht denkbar. Als Folge der Globalisierung und des weltweiten Wirtschaftswachstums unter den oben genannten Rahmenbedingungen hat die Belastung der Umwelt ebenso zugenommen wie die Ungleichverteilung sozialer Standards in verschiedenen Regionen der Welt. Das Leitbild einer "wissensbasierten Gesellschaft" bzw. der "Informationsgesellschaft" geht von einer steigenden Wertschöpfung im quartären Sektor (Information und Wissen) aus.
Zwei Leitbilder und fehlende Synergien
Dem verantwortungsbewussten Einsatz von Informationstechnologien wird von vielen Seiten eine hohe Lösungskompetenz für die Überwindung sozialer Nachteile und die Verringerung der Umweltproblematik zugetraut. "Nachhaltige Entwicklung" und "Informationsgesellschaft" als gesellschaftspolitische Leitbilder und Konzepte laufen aber bislang nebeneinander her. Eine gezielte Abstimmung zwischen diesen beiden für unsere Gesellschaft so wichtigen Handlungsfeldern fehlt bislang. Synergiepotenziale werden kaum genutzt. Vielmehr kehren sich die erhofften positiven Wirkungen der Informationsgesellschaft ins Gegenteil um:
- Verschärfung der Mobilitätsproblematik aufgrund globaler Arbeitsteilung
- Erhöhter Ressourcendurchsatz aufgrund extrem kurzer Produkt- und Innovationszyklen der neuen Medien
- Ausweitung sozialer Ungleichheiten aufgrund des "Digital Divide"
Nicht zuletzt aufgrund der hohen Wachstumsraten der New Economy, des starken und vor allem immer schneller werdenden Veränderungsdrucks der Informationstechnologien und der weltweit zu beobachtenden Liberalisierung (samt Deregulierung) der Gesellschaft in den letzten Jahre wurde die konkrete Ausbildung der Informationsgesellschaft in zentralen Bereichen dem Spiel der freien Märkte überlassen. Staaten und Regionen definieren ihr Engagement im wesentlichen über die Gewährleistung hochwertiger Standortfaktoren als Voraussetzung für Konkurrenzfähigkeit im globalen Wettbewerb. Das Zusammenführen von "Nachhaltiger Entwicklung" und "Informationsgesellschaft" verlangt aber klare politische Positionierungen auf der Ebene von Regionen, Staaten und auch in Form internationaler Zusammenarbeit (EU, OECD, UN oder z.B. in Form des "Global Society Dialogue" [Link zu www.global-society-dialogue.org]).
Impulse für eine Nachhaltige Informationsgesellschaft
Aus diesen Überlegungen heraus lassen sich auch für Österreich Ansatzpunkte für eine nachhaltige Informationsgesellschaft finden. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der Rolle des Staates als Gestalter und politischer Wegbereiter neuer Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Informationsgesellschaft und dem Staat bzw. der öffentlichen Hand als wichtigen Anbieter und Konsumenten von IT-Diensten und -Produkten.
Eine erste und noch weiter auszubauende Übersicht möglicher Handlungsbereiche sieht folgendermaßen aus:
Monitoring für eine nachhaltige Informationsgesellschaft:
Entwicklung und Erarbeitung entsprechender Datengrundlagen für die Bewertung des Entwicklungsstands und der Auswirkung der Informationsgesellschaft im Hinblick auf eine Nachhaltige Entwicklung; Schaffung und Evaluierung von Entwicklungszielen; Sustainable Reporting auf Verwaltungsebene
Bildung und Humankapital:
Erweiterung moderner Bildungskonzepte mit dem Schwerpunkt "Informationstechnologien nachhaltig nutzen", das sich eine umweltgerechte und sichere Nutzung der neuen Medien zum Ziel setzt
Technische Infrastruktur und "Social Inclusion":
Information als Grundrecht ? - Gewährleistung des Zugangs zu moderner Informationsinfrastruktur (gegenwärtig: Breitband) überall dort, wo der Markt versagt und die digitale Kluft überproportional hoch ist: Periphere Regionen, benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie Alte Menschen, Frauen und niedrige Einkommensschichten mit geringem Bildungsniveau
Reglementierungsbedarf - Datenschutz, Umweltgerechte Produktion, ....?
Diskussion und Dokumentation des staatlichen Reglementierungsbedarfs; beispielsweise in den Bereichen Privacy Policy & Datenschutz, Produktionsstandards, Konsumentenschutz, Arbeitsrecht, etc.
IT-gestützte Mobilität:
Reduktion der Umweltbelastungen aus dem Verkehrssektor durch Entwicklung von Logistiksystemen, Förderung des Intermodalen Verkehrs, nutzerfreundlichen Zugang zum öffentlichen Verkehr, Roadpricing usw. unter starker Nutzung von Informationstechnologien und telematischen Steuerungssystemen
Der Staat als Musterschüler:
Bereitstellung innovativer Internetportale in der öffentlichen Verwaltung (z.B. E-Government, Digitale Verwaltung, öffentlich zugängliche Informationsserver und Datenbanken); Nutzung ressourcenschonender Gebäudetechnik in der Verwaltung (z.B. Gebäudeautomatisierung, Steuer- und Regeltechnik, Fernmessung); Entwicklung und Verwendung von "Open Source Software-Produkten" sowie Bereitstellung dieser Produkte in der Öffentlichkeit (wie dies beispielsweise schon in einzelnen Organisationseinheiten der Verwaltung in Deutschland praktiziert wird); Nutzung von ressourcenschonenden Lösungen im Bereich der öffentlichen Beschaffung (z.B. Optimierung der Lieferlogistik, Nutzung E-Commerce)
|